Teil 4

Die Tage wollten nicht enden. Der Schlaf war mir sicherlich schon seitvielen Sonnenumläufen nicht mehr vergönnt gewesen. Das grelle Licht,welches nach meinem Treffen mit einem der Anführer der Chaoszwerge,nicht mehr erlischen wollte, raubte mir jeden Gedanken an einengeruhsamen Schlaf. Fortwährend zuckten grelle Lichtblitze durch diekünstlich angelegten Gänge des Vulkans. Gepaart wurde dieses Schauspielmit einem dämonischen Hämmern. Dumpfe Schläge, die regelmäßigenAbständen, die die Erde zum beben brachten.
Ich dachte an die Gefangenen, die wir in meiner Heimat dem Imperiummachten. Wir behandelten sie durchaus gut. Zumindest war ich jetzt mehrdenn je davon überzeugt, dass wir dies taten. Und dennoch ließ sich beivielen Gefangenen nach einiger Zeit ein Gleichgültigkeit bemerken, dieihnen jede Angst vor dem Bevorliegenden zu nehmen schien.
Diese Gleichgültigkeit war mir nicht vergönnt. Im Gegenteil. Von Tag zuTag geschahen hier in den Tiefen des Bergs, zwischen all der Lava, demausgehöhlten Gestein und der von Schwefel erfüllten Luft, neuunheimlich Dinge.
Mein neuer Käfig, in den ich gesperrt wurde, war auch alles andere alsgeräumig. Es bot sich mir kaum die Möglichkeit, den durch dieseelischen wie körperlichen Strapazen geschundenen Körper, zur Ruheauszustrecken. Die Gitter standen eng beieinander und doch versuchteich immer wieder eine Schwachstelle zu finden, durch die ich michhindurchzwängen konnte. Trotz meines stetig fallenden Körpergewichtswurde ich jedes Mal von neuem enttäuscht.
Wieder einer dieser beängstigenden, dumpfen Schläge. Ich zuckte erneutzusammen. Meine Gedanken überschlugen sich und ich hatte langsam dieHoffnung aufgegeben, dem Wahnsinn zu entkommen.
Der offensichtlich bevorstehende Krieg, oder die Schlacht die diesehinterhältigen Chaoten vorbereiteten, bereitete mir längst keineKopfschmerzen mehr. Es ging mir einzig und alleine nur noch um mich.Ich musste aus diesem verdammten Gefängnis entkommen. Meine Gedankenzögerten einen Moment. Oder.. sie sollten mich endlich töten. Ichversuchte schnell wieder zu Sinnen zu gelangen auch wenn die unwirklichUmgebung dieses Vorhaben nicht gerade zu meinen Gunsten beeinflusste.
Als ein zwei Hobgoblins den Tunnelabschnitt betraten, in dem sich meinKäfig befand, wurde ich abgelenkt. Die zwei hässlichen Kreaturen, dievom Körperbau her den gemeinen Goblins sehr stark ähnelten, und sichnur durch eine gering größere Statur von selbigen abhoben, zogen meineganze Aufmerksamkeit auf sich. Sie schienen sich zu streiten. Beidebrüllten sich mit abwechselnden Schnalz- und Grunzlauten fortwährendan. Plötzlich packte der ein den anderen an der Kehle. Er begann seinenüberrumpelten Gegner zu würgen. Jener gurgelte und gluckste laut undversuchte an seine Waffe zu gelangen. Er zog ein kleinesSchlachtmesser, nicht viel größer als ein Dolch, und rammte er seinemGegenüber in die Rippen. Dieser schrie auf. Ein greller Schreidurchfuhr die Hallen und das Echo war noch zu hören, als sich dasdunkelrote Blut der Kreatur bereits auf dem Boden verteilt hatte. Mitletzter Kraft versuchte der Geschlagene an seine Waffe zu gelangen,doch beide wurden überrascht...
Eine gigantische Klinge hatte sich durch den gesamten Leib dessiegreichen Hobgoblins gebohrt, wobei das Blut mich von oben bis untenbesudelte, während der andere zeitgleich von einer mächtigen Keulezerquetscht wurde.
Plötzliche Stille. Der sicherlich zwei Meter große Schwarzork reinigteseine Waffe von den sturen des Kampfes. Er war sehr wahrscheinlicheiner der Aufseherorks. Diese hatten für Ruhe unter den Grünhäuten zusorgen, und waren sie nicht erfolgreich bei ihrer Aufgabe, so wurdensie eingesperrt oder stundenlang gefoltert. Dies hatte ich einige malemiterlegen müssen. Ohne jede Anstrengung durch die blitzschnelle Aktionverließ das Ungetüm den Gang in Richtung des lauten Hämmerns. Nacheiniger Zeit war der Ork außer Sichtweite.
Das Gemetzel, welches sich vor mir abgespielt hatte, würde mir sichereinige Zeit im Gedächtnis haften. Ich blickte über das Schlachtfeld.Der eine Hobgoblin war nahezu gespalten worden, der andere haftete wievon einem Dampfpanzer überrollt am Boden der Höhle.
Meine Augen wollten sich gerade angewidert abwenden, da erspähte ichdie Waffe des am Boden vor mir liegenden Goblins. Mein Herz begannschneller zu schlagen. Ich reckte mich aus dem Käfig, streckte mich sowie es mir nur möglich war. Mein Arm war wie eingezwängt zwischen dennicht nachgeben wollenden Gitterstäben. Meine Schulter pochte bereitsstark und der Schmerz durch die Quetschung wurde immer stärker. DasBlut in meinem Arm vermochte nur schwer den Weg in den Rest meinesKörpers zurückzufinden. Eine dunkelrote Verfärbung des Arms war dieschnelle Folge der Anstrengung. Mit den Fingerspitzen berührte ichbereits die merkwürdige Klinge der Waffe. Mein Herz überschlug sichförmlich. Wenn jetzt ein Ork oder gar einer dieser Zwerge den Gangbetreten würde. Die Folgen wären nicht auszumachen. Gedanken an einemögliche Freiheit verdrängten jeden Zweifel, der mir gekommen war. Ganzlangsam zog ich die Klinge Richtung Käfig. Mir einigen sehrvorsichtigen Bewegungen war mir bald der Erfolg gegönnt.
Zunächst versuchte ich die Waffe in all meiner Panik und demüberschwänglichen Glück in meiner zerschlissenen Kleidung zu verbergen.Dabei konnte ich es nicht vermeiden, einen eingehenden Blick auf dasUtensil zu werfen. Eine Ellen lange Schneide, die am unteren Ende miteiner Art Sägeblatt verzier war, welches sicherlich vielen Kriegerneine bittere Erfahrung gewesen sein mochte.
Sollte diese Waffe meine Freiheit bedeuten? Ich begann damit, die Käfigstäbe mit dem groben Schlachtmesser zu bearbeiten...