Teil 1

Es war heiß, sehr heiß. Ich fühlte mich schon seit Tagen wie in derHölle. Die Hitze und die Dämpfe von beißendem Schwefel ließen mir dieSinne schwinden und ich verlor allmählich jedes Gefühl für Zeit undRaum. Gerne hätte ich gewusst wie lange ich nun schon unter der Erde indiesem von den Göttern verlassenen Labyrinth aus unzähligen Stollen undLavaseen verweilte. Einige Tage hatte ich versucht über das Einritzenvon Kerben in meine Käfigtür die Kontrolle über die Zeit zu behalten.Jedoch war es mir nicht möglich genau zu sagen, wann hier unten ein Tagvorüber war. Diese grässlichen Kreaturen, so schien es mir, ließen sichmanchmal Tage und Wochen nicht blicken. Andere male kamen sie ständigund ergötzten sich an meinem Leid. Was sie mit mir machten versuchteich stets zu verdrängen, um ein wenig an der unmenschlichen Angst zuverlieren, die wohl mein ständiger Begleiter sein sollte. Es gelang mirzu meinem Bedauern nicht sehr häufig.
Ich erschrak. Ein lautes Brüllen riss mich aus einer Mischung ausHalbschlaf und Trance. Ich konnte nur ahnen, welches Geschöpf diesenmarkerschütternden Schrei ausgestoßen hatte. Einige Minuten verharrteich völlig still in meinem kleinen Gefängnis, fast froh die Gitterstäbezu sehen. Wie ich erwartet hatte, ließ das Untier nicht lange auf sichwarten. Ein Ork von ungeheurer Größe schlürfte langsam um die Eckeeines weiten von Lava ausgefressenen Ganges. Viele Orks hatte ich schongesehen. Auf etlichen Kriegszügen meiner Kompanie hatte ich mitetlichen dieser Kreaturen zu tun gehabt. Jedoch war keines dieser Wesenvon solcher Größe und abgrundtiefer Hässlichkeit wie dieser. Ichzweifelte kurz, ob es an meinem vielleicht nicht mehr so klarenVerstand liegen mochte, dass mir die Kreatur in einer solchen Größeerschien. Allmählich begann ich mich wie vom Blitz getroffen zuerinnern. Die Gedanken schossen durch meinen Kopf, schienen sich fastzu überschlagen und ich brauchte einige Sekunden, sie zu ordnen...
Diese dunklen Verwandten der Dawi, die durch den Einfluss der Chaosscheinbar jeden Respekt vor dem fremden Leben verloren hatten,züchteten in den Tiefen ihrer Vulkane Sklaven heran. Auf ihrenPlünderzügen durch die Alte Welt nahmen sie alles, wirklich alles, wasihnen später noch von Nutzen sein könnte mit. Ich wollte nicht wissen,was dieses übelriechende, hässliche Geschöpf, das auf mich zukam schonalles über sich ergehen lassen musste. Einer seiner Arme glich einemmechanischen Werkzeug, welches geschickt mit dem ihm eigenen Fleischverbunden schien. Plötzlich sprach die Kreatur und riss mich aus meinenGedanken. Nicht nur von dem was ich hörte war ich überrascht, sondernvielmehr davon, dass dieses Wesen generell in der Lage war, sich zuartikulieren. Ich hätte genug gefaulenzt und die Herren würden michhier nicht länger benötigen, musste ich mir anhören. Der Ork öffnetegeschickt das Schloss meines Käfigs und riss mich mit sich hinfort.Unter dem starken Druck seiner biomechanischen Klaue verlor ich schnelldas Bewusstsein.