3.Platz: "Der Überfall" von Obaobaboss

Thulis schauderte. Die weichen Züge des, auch für das Volk derHochelfen, hageren Wächters verhärteten sich. Die wunderschöneHafenstadt Ruliec stand in Flammen. Als Wächter hatte Thulis den Befehlüber eine Einheit von Speerträgern und er führte sie nun zum Ursprungder Zerstörung. Vor wenigen Stunden, mitten in der klaren und vorherruhigen Nacht, hatte es angefangen. Explosionen, immer wiederExplosionen. Dazu das pfeifende Geräusch von in der Luft sausendenProjektilen. Sie hatten die ganze Stadt aufgeweckt. Auch Thulis,welcher sofort seine Truppen sammelte.
Der Hochelf arbeitete sichimmer noch mit dem großen Regiment Speerträger durch die Straßen derStadt. Sie trugen ihre goldenen Rüstungen, über den feinen Leinen.Beides reflektierte die züngelnden Flammen der brennenden Häuser, diesie passierten. Eigentlich war Thulis samt seinen Speerträger für dieSicherheit des Adelsviertel verantwortlich, doch er wusste, dass alleKräfte am Hafen gebraucht wurden. Denn von dort kamen die Geschosse.
Jenäher sie dem Hafen der Stadt kam, desto mehr der Gebäude standen inFlammen oder waren gar ganz zerstört. Auch sah er nun die ersten Opferdes Angriffs. Unschuldige Elfen, welche durch die Projektile, oder deneingestürzten Gebäuden ihr Leben verloren hatten. Wut stieg in Thulisauf. Wer attackierte Ulthuan? Waren es die dunklen Diener desHexenkönigs? Oder die barbarischen Menschen, welche den Chaosgötternergeben waren? Immer schneller trugen ihn seine Füße vorwärts und seineSpeerträger mussten sich beeilen mit ihm Schritt zu halten. Schließlichkonnten sie das Hafenviertel erreichen.
Geschockt hielt das Regimentin seinem Weg inne und Thulis verstärkte den Griff auf seinem Schwert.Was sie dort sahen, raubte ihnen den Atem. Riesige Schiffe, mit einerFassade aus dunklem Eisen schwammen vor dem Hafen. Ihre gigantischenSchornsteine trieben dunklen Rauch in den Himmel. Ununterbrochen flogenbrennende Geschosse, aus Kanonen deren Mündung die Größe einesausgewachsenen Elfen überstieg, von den Schiffen auf die Stadthernieder. Die meisten der zierlichen Elfenschiffe im Hafen waren schonversenkt worden und an ihrer Stelle befanden sich kleinere Versionender stählernen Monster im Hafen. Sie schienen sich mit Rädern, ähnlichder an Wassermühlen angebrachten, im Wasser voranzutreiben. Und jedesdieser Boote, sobald es den Bug erreicht hatte, ergoss eine Unzahl anAngreifern aus.
Thulis trat einen Schritt voran, als er den Feinderkannte. Zwerge! Chaoszwerge! Seine Augen verengten sich. In dunklesMetall gehüllt mit dämonischen Fratzen an Helm und Panzer verziertmarschierten sie über die verzierten Pflastersteine des Hafens, ihrescharfkantigen Waffen schwingend und wild brüllend. Und sie waren nichtallein. Grünhäutige Wesen begleiteten sie. Thulis konnte in ihnen dieHobgoblins erkennen, von denen er bereits gelesen hatte. Es warenVerwandte der Goblins, jedoch größer, stärker und hinterlistiger.
„Verteidiger Ruliec’s! Kinder Ulthuans! Macht euch bereit! Schlagt sie zruück!“
DieSpeerträger nahmen eine Kampfposition ein. Die ersten Gegner, die aufsie trafen, waren die Hobgoblins, welche vom Feuer und Morden in einenBlutrauch verfallen waren. Auf Riesenwölfen reitend kamen sie angehetztund ritten genau auf dem Speerwall zu. Thulis konnte den Speichelerkennen, der Wolf, wie auch ihren Reitern aus dem Mundwinkel hing. Sieschienen vom Wahnsinn übermannt zu sein, in die Wand aus Speeren zulaufen. Wie eine Welle brandeten sie auf das Regiment. Viele fanden ihrEnde in den Speerklingen der Elfen, jedoch schafften es einige diesenzu entgehen oder sie ließen sich von ihren Wunden nicht zurückdrängen.Sie hieben mit ihren krummen und schartigen Schwertern wie wild umsich. Von diesen Hieben fanden wenige ihr Ziel, die meisten pralltenwirkungslos an den hohen Schilden der Elfen ab, während aus denhinteren Reihen immer wieder Speerklingen tief in die Körper derHobgoblins oder Wölfen drangen.
Auch Thulis hielt blutige Ernte.Mit seinem Schwert hatte er einem der Wölfe in das Gesicht geschlagen,worauf dieser, als er sich aufbäumte, von zahlreichen Speerendurchbohrt wurde. Den Reiter, der zu Boden fiel, erledigte Thulis miteinem schnellen Stich in den Brustkorb. Mit einem Ächzen hauchte dieGrünhaut ihr Leben aus.
Schließlich überstieg derÜberlebensinstinkt den Blutrausch und die Grünhäute zogen sich zurück.Viele starben noch, von hinten mit Speeren durchbohrt. Als dieWolfsreiter außer Reichweite war, sah Thulis dass er schon drei Männerverloren hatte.
„Weiter, verjagen wir diese Wesen aus unsererHeimat!“ befahl er und sein Regiment folgte ihn direkt zum Hafenplatz.Dort war die Seewache bereits in heftige Kampfhandlungen verwickelt.Ihre Speerträger versuchten verzweifelt Straßendurchgänge gegen dieÜberzahl an Grünhäuten und Chaoszwergen zu halten. Hinter den hohenSchilden geschützt stachen sie immer wieder mit ihren langen Speerennach den Eindringlingen. Doch für jeden der fiel, nahmen zwei seinenPlatz ein. Bogenschützen unterstützten sie von den Häusern und Dächernder Gebäude aus, indem sie tödliche Salven auf ihre Gegner niederregnen ließen. Immer wieder versuchten Hobgoblins die Wändehochzuklettern, doch sie landeten meist mit einem Pfeil im Körperwieder auf dem Boden. Thulis wollte der Seewache zu Hilfe eilen, aberes näherten sich schon die nächsten Gegner. Diesmal waren es keineGrünhäute… jedoch auch keine Zwerge. Zumindest glaubte Thulis nicht,dass diese Gestalten Zwerge waren. Sie hatten zwar den Oberkörpersolcher, anstatt aber auf zwei Beinen zu laufen, hatten diesefremdartigen Wesen den Unterkörper eines Stieres.
Und sie stürmtenin die Richtung von Thulis und seinem Regiment. Mit jedem Satz, den siesich seinem Regiment näherten, beschädigten ihre schwere Hufe denPflasterboden des Hafens. Die brennenden Gebäude warfen eingespenstisches Licht ihre Gesichter. Die gelockten Bärte wogten wieFeuer in ihrem Gesicht und ihre wilde Schreie ließen das Blut in denAdern erfrieren. Thulis schluckte schwer, als sie kurz vor ihnen waren.
Ihr Aufprall in das Speerträgerregiment war verheerend. Mit ihrenriesigen Waffen pflügten sie durch die Gruppe der Elfen. Schild,Rüstung oder Helm waren ihrer Kraft nicht gewachsen. Die schweren Hufezertrümmerten Schädel und Brustkörbe. „Standhalten!“ rief Thulis, dereiner der geschwungenen Riesenäxte knapp ausweichen konnte. Denfolgenden Stoß des Hufes konnte er nur mit seinem Schild abwehren, wasihn jedoch weit nach hinten warf und seinen Arm brach. Dabei prallte erauf einige seiner Krieger. Der kunstvoll gearbeitete Schild war kräftigzerbeult und der Stierzwerg schon über ihn mit erhobener Waffe. Dieniederkrachende Axt konnte jedoch nur den Hafenboden beschädigen, daThulis sich geradeso noch zur Seite rollen konnte. Dabei protestiertesein Arm mit einer Welle des Schmerzes. Einen Teil seines Seidenmantelsmusste er von der Axt zerteilt zurücklassen, während sich mehrereSpeerspitzen in den Stierleib bohrten. Nun konnte Thulis in dieOffensive gehen. Während der Stierzwerg noch seine Axt vom Bodenhievte, stach Thulis zu. Er zielte auf das Herz des Wesens, dieseskonnte jedoch den Stich mit seinem Arm abfangen. Tief bohrte sich dasMetall in den Muskel des Wesens und das schmerzerfüllte Brüllen war einkleiner Triumph für Thulis.
Inzwischen konnten die Speerträgerauch ihre Überzahl ausspielen und zahlreiche Speerklingen stachen immerwieder aus den hinteren Reihen in die Leiber der Stierzwerge. Jedochdrangen die Spitzen nicht tief durch die dicke Haut. Thulis’sWidersacher wurde aber in dieser Weise zurückgedrängt, was ihm eineVerschnaufpause gönnte, während der Stierzwerg mit seiner Waffe nur dieSpeerspitzen auf Distanz zuhalten versuchte.
In diesen Augenblickhörte Thulis ein Horn, welches ihn innerlich jubeln ließ. Mit neuen Mutdurchfüllt, befahl er seinen Männern standzuhalten. Kurz danachpreschten Elfen in schweren Rüstungen, hoch zu Ross, in die Flanke derStierwesen.
Es war die Adelige Kavallerie der Stadt, dieSilberhelme. Ihre Lanzen bohrten sich tief in die Körper der Monsterund viele fielen dem Angriff zum Opfer. Dies brach deren Willenendgültig und sie stoben davon, verfolgt durch die Silberhelme.
Thulisnutzte diese Verschnaufpause um die Lage einzuschätzen. Von seinemRegiment, welches Anfangs 35 Krieger zählte, waren nur noch 18kampffähig. Viele waren im Kampf gegen die Stierzwerge gefallen. DieSilberhelme hatten sie wohl gerettet. Inzwischen kämpften sie gegen einRegiment, welches aus Chaoszwergen mit schweren Rüstungen und großenSchilden bestand und es sah so aus, als würden sie langsam umzingeltwerden. Thulis konnte auch erkennen, dass inwzischen schon vieleStraßeneingänge in die Stadt gefallen waren und vor allem dieHobgoblins strömten mordlüstern nun in die Richtung der Wohnviertel,über die Leichen der Verteidiger.
Thulis fluchte. Er hoffte nur,dass die Bewohner der Stadt sich inzwischen zum Tempel des Asuryanretten konnten und die dortige Phönixgarde ihr Schutz bieten konnte.Wütend wollte er soeben einen Befehl geben, die Silberhelme zuunterstützen, um ihre Hilfe auszugleichen als es einen Einschlag gab.
EineExplosion erfolgte und eine große Druckwelle schleuderte die Elfen desRegiments durch die Luft. Thulis verlor kurzfristig das Bewusstsein.Als er wieder zu sich kam, rauschte es in seinen Kopf. Im Hintergrundkonnte er aber noch die Explosionen, das Treffen von Stahl auf Stahl,sowie die Schreie der Verwundeten und Sterbenden hören.
Thulissammelte all seine Kraft um wieder zu sich zu kommen. Er bemerkte, dasser seinen Helm verloren hatte. Blut floss aus einer Wunde an seinerStirn. Als er versuchte, aufzustehen, verspürte er einen heftigenSchmerz an der Hüfte. Mühsam stemmte er sich hoch, wobei er an denÜberresten einer Statue des Aenarion sich halt fand. Schwer atmendhielt er sich am Bein der Statue fest. Von dem einst glanzvollenAntlitz, stand nur noch eben jenes ganzes und ein halbes Bein. Thulishielt nach seinem Regiment Ausschau, konnte aber nur tote, von derExplosion teilweise zerrissene Körper finden.
Die Chaoszwergehatten inzwischen den Großteil ihrer Armee an Land bringen können unddie verzweifelnden Hochelfen wurden wütend immer weiter zurückgedrängt.Man hatte inzwischen von den wenigen noch verteidigtenStraßendurchgängen abgelassen und drängte durch die schon offenenLücken in die Stadt. Nur einige Chaoszwerge mit seltsamen geformtenRohren schossen mit diesen auf die Verteidiger und forderten einenhohen Blutzoll. Nach jeder ohrenbetäubender Salve fielen zahlreicheElfen zu Boden.
Thulis wusste, dass die Stadt verloren war. Erhoffte nur, dass inzwischen Boten zum Prinzen dieses Landes unterwegswaren. Solch einen Gegner konnte man nur einer große Armee des Prinzenbesiegen, alles andere wäre Hoffnungslos.
Einer der grünhäutigenWolfsreiter hatte den verletzten Thulis mit einem bösartigen Grinsenentdeckt und stürmte auf ihn zu. Thulis nahm seine Kraft zusammen undmachte sich Kampfbereit. Er wollte so viele dieser Kreaturen noch mitin den Tod nehmen, wie es ihm möglich war. Seine Hüfte, wie auch seingebrochener Arm pochte, als der Hobgoblin immer näher kam. Wenige Metervon Thulis entfernt sprang der Wolf ab. Thulis reagierte sofort undließ sich nach vorne fallen. Der Wolf flog über ihm hinweg, als Thulissich drehte und mit hochgehaltenem Schwert so den Leib der Bestieaufschlitzte. Gewandt sprang der Hobgoblin von seinem Reittier ab,während der Wolf gegen den Sockel der zerstörten Statue prallte. Miteinem rostigen Messer gezückt sprang die Grünhaut auf dem in Wolfsblutgetränkten Thulis zu, worauf dieser ihm sein Schwert entgegenhielt, sodass die Grünhaut sich durch ihren Schwung und Gewicht selbstaufspießte. Geifernd traten dem Hobgoblin beinahe die Augen aus denHöhlen, als sich sein Gesicht kurz vor dem des Elfen stoppte.
Schweratmend stieß Thulis den leblosen Körper von sich weg. Wieder kam ermühsam hoch, mit unbrauchbaren Arm und schmerzhafter Hüfte. Dann saher, dass ihm in einiger Entfernung ein Chaoszwerg entgegenstand. Zumersten Mal konnte er einen der ihren genau Betrachten. Sein dichter,schwarzer Bart war in kunstvollen Zöpfen gedreht und er trug einenhohen, mehrmals gehörnten Hut, welcher mit dunklen Runen versehen war.Einer seiner Unterzähne ragte ungewöhnlich lang aus der Unterlippehervor, ähnlich eines Hauers. Die Nase war lang und krumm und eineWarze thronte auf ihr. Thulis konnte keine Waffe, bis auf einen kleinenDolch am Gürtel, erkennen. Er streckte unter Schmerzen herausforderndsein Schwert in die Richtung des Zwerges.
Diesen entlockte diesnur ein bösartiges Grinsen. Finstere Worte murmelnd bewegte derChaoszwerg seine Hände in beschwörender Weise. In diesem Moment wurdeThulis sein Schicksal klar. Er wusste, dass er es in seinem Zustandnicht schaffen würde, den Magier zu erreichen, bevor der Zauberspruchbeendet war. Geschlagen senkte er sein Schwert und ließ seinen Blickein letztes Mal über seine geliebte Stadt schweifen. Er sah wie dieSilberhelme inzwischen umkreist worden waren und jeder Mann für Mannvon den Chaoszwergen aus dem Sattel geholt und erschlagen wurde. Auchdie Pferde wurden brutal mit Äxten und Keulen geschlachtet.
Thulissah auch, dass die letzten Verteidiger der Straßeneingänge tot am Bodenlagen, die Waffen und Standarten noch in der Hand, als hätte selbst derTod ihren Willen nicht brechen können.
Und zuletzt traf sein Blick die zerstörte Statue des Aenarion.
Daswar das letzte, was Thulis, Wächter des Speerträgerregiments aus demAdelsviertel in Ruliec erblickte, bevor magische Flammen in verzehrten.Das Letzte was er hörte, waren neben dem Kriegslärm das hysterischeLachen des Chaoszwergs.

…….
Prinz Caradian überblicktetraurig den zerstörten Hafen. Ausdruckslos schritt der hoch gewachseneElf über den an manchen Stellen aufgesprungenen Pflasterboden. Er wareben erst mit seinem Entsatzheer eingetroffen und fand nun nur Tod undZerstörung vor. Die Spuren zeugten von einem schrecklichen Kampf. DerHafen lag in Schutt und Asche, der Boden gesäumt von toten Körpern.Viele Elfen waren gefallen als sie ihr Leben der Verteidigung Ruliex’sgaben. Caradian ließ seinen Blick über den Horizont schweifen.
Nurim Tempel des Aenarion gab es einige wenige Überlebende. DiePhönixgarde konnte den Tempel halten, bis sich der Blutdurst derAngreifer gestillt hatte und sie sich zurückzogen. Caradian wusste,dass sich in den Schiffen der Angreifer Hunderte von Elfen befanden.
InKetten. Sie würden nun ein Leben als Sklaven der Chaoszwerge führen,falls er nichts unternehmen würde. Er überlegte, ob er die Schiffe derChaoszwerge einholen könnte. Wahrscheinlich würde sich dies schwieriggestalten, da diese nicht von Wind oder Wetter abhängig waren.
Tiefatmend senkte Caradian den Blick vom Ozean zum Boden. Dort fand ereinen seltsamen Fleck, welcher aus einer Art von Brandspuren zubestehen schien. Von diesem Punkt stieg sein Blick auf die ehemaligeStatue von Aenarion. Nur noch ein Bein und ein Halbes standen dort.Langsam führte er seine Hand an die zerstörte Statue. Der Marmor hatteeine angenehme Wärme in der Sonne erreicht.
Diese Wärme gab demPrinzen neuen Mut. Prinz Caradian atmete tief durch und zog seine Handdann langsam zurück. In einer flüssigen Bewegung zog er nun seinZweihandschwert vom Rücken. Herausfordernd reckte er es der Seeentgegen, wo es in der Sonne herrlich schimmerte.
In diesemAugenblick schwor er sich die gefangenen Elfen zu befreien, und wenn erdafür bis in die verfluchten Länder der Chaoszwerge reisen und ihreKetten mit eigenen Händen öffnen müsste. Er wusste, er stellte dieeinzige Hoffnung dar, die den Elfen in den dunklen Bäuchen der Schiffeblieb. Und er würde sie nicht im Stich lassen…