Platz 3: "Der junge Jakob" von Hazkar

Morrsleib stand voll am Himmel und hüllte alles in einen eigentümlichengrünen Schimmer. Von Mannsleib war keine Spur am Firmament zu sehen.Schnellen Schrittes lief ein junger Mann den schmalen Feldweg entlang.Er hatte das Grauen gesehen und musste den Dorfbewohnern davon erzählen.
Es war spät in Brockdorf und im „Lachenden Wolf“ waren nur noch die treusten Gäste.
Derübergewichtige Wirt schlug gerade seinen kleinen Gong um die letzteRunde auszurufen, als plötzlich die Tür der Schänke aufflog und diekalte Nachtluft in den verräucherten Gastraum strömte.
Der Wirtblickte den Jungen in der Tür mürrisch an. “Verdammt Jakob, mach dieTür zu! Du lässt ja die ganze verfluchte Wärme raus!“
„Tut mir leid, aber ihr werdet nie erraten was ich vorhin gesehen habe!“ brach es aus dem Jungen hervor.
„Du sollst die verdammte Tür zumachen, hab ich gesagt!“ polterte der Wirt.
Hecktisch schloss Jakob die Tür „Ja, ja, tut mir leid. Aber ich muss euch was erzählen! Die Zwerge greifen an!“
Plötzlich war es totenstill in der Schänke und die verbliebenen Gäste blickten Jakob verwirrt an.
„Blödsinn“kam es aus der dunkelsten Ecke des Raums. „Wir haben seit unzähligenJahren Handelsbeziehungen mit den Zwergen. Warum sollten die unsplötzlich angreifen?“ Die Frage kam vom alten Hannes, einemgriesgrämigen Mann der aussah, als wäre er nie jung gewesen.
„Hannes hat recht, warum sollten sie das tun?“ fragte der dicke Wirt.
„Wohersoll ich das wissen?“ erwiderte der Junge. „Aber ich weiß doch was ichgesehen habe. Mir ist heute Nachmittag ein Lamm weggelaufen und ich habes bis in die Nacht gesucht. Ich bin die ganze Strecke bis zum Wachturmam Weltrandgebirge gelaufen und da hab ich sie gesehen! Sie haben dieWachtruppen in Stücke geschossen und nieder geritten!“
„Hah! Seitwann haben Zwerge denn Reiter? Ich wusste doch von Anfang an, das deineGeschichte erstunken und erlogen ist!“ brüllte der alte der alte Hannesaus seiner Ecke. „Gert, bring mir mal noch ein Bier“ rief er dem Wirtzu, “damit ich die Lügen von dem Bengel runterspülen kann.“ Seindreckiges Lachen hallte von den Wänden der Schänke wieder und mehrereder anderen Gäste fielen mit ein.
„Wenn ich es euch doch sage! Abersie sind nicht auf Pferden geritten, es sah aus als wenn sie selbstvier Beine hätten….wie Monster!“
„Junge, geh lieber nach hause, bevor du dich vollkommen lächerlich machst“ riet ihm der Wirt.
„Nein, ich weiß es klingt verrückt, aber ich habe sie gesehen!“
„Unddie mysteriösen Rattenmenschen? Waren die auch dabei? Har! Har!“ fragteHannes, nachdem der Wirt das Bier vor ihm abgestellt hat und trank esin einem Zug bis zur Hälfte aus.
„Ich bin kein Dummkopf, jeder weiß,das es keine Rattenmenschen gibt.“ erwiderte Jakob. „Aber Grünhäutewaren dabei! Sie sind auf Wölfen geritten und haben die Wachtruppen mitihren Pfeilen beschossen! Und einer von den Zwergen hatte einenfliegenden Stier der Feuer gespuckt hat!“
Langsam erhob sich deralte Hannes von seinem Stuhl und wankte betrunken auf Jakob zu. „Jetztreicht es aber, Bengel! Sieh zu das du zu deiner Mama kommst, sonstsetzt es eine Tracht Prügel! Hast du verstanden?“ Er hob seine Hand undholte aus. In diesem Moment griff der Wirt nach dem Handgelenk desalten Mannes.
„Ihr geht besser beide. Ich will keinen Ärger in meinem Haus.“
„Aber…“ begann Jakob.
„KeinAber!“ entgegnete der Wirt. „Ihr verschwindet jetzt beide freiwilligoder ich setzt euch höchstpersönlich mit einem Tritt vor die Tür.Verstanden?“

Ein paar hinterhältige rote Augen beobachteten daskleine Dorf aus dem Unterholz. Langsam schälten sich zehn beritteneGestalten aus dem Schatten des Waldes. Die Grünhäute waren die Vorhutund ihre Wölfe knurrten, als sie die Menschen in dem Ort witterten.
„Du reitäst zurück und sachst de Bosse, dass mir noch viel mähr Sklavenz gefundn ham.“ sagte Gorbatz, der Anführer der Späher.
Einerseiner Kundschafter nickte kurz, wendete seinen Wolf und ritt zurHauptstreitmacht. Gorbatz schaute dem Hobgoblin noch kurz nach undwendete seine Aufmerksamkeit dann wieder dem schlafenden Dorf zu.
ZweiGestalten traten aus einem hell erleuchteten Haus in die Nacht hinausund weckten sein Interesse. Es war offensichtlich, dass die beidenstritten.

„Verdammt Gert, du musst mir glauben!“ flehte derJunge, doch der Wirt blickte ihn nur finster an und schloss die Türhinter ihm.
Der alte Hannes packt ihn am Kragen und flüsterte ihmins Ohr „Du Narr weißt einfach nicht wann es besser ist die Klappe zuhalten, oder?“ Mit überraschender Kraft und Geschwindigkeit rammte erseine Faust in Jakobs Magen. Der Junge landete hart auf dem Boden. „Daswird dich lehren noch einmal solche Lügen zu erzählen“ knurrte der alteMann und trat ihm heftig in die Rippen. Jakob flüsterte etwas, das deralte Mann nicht verstand. „Was hast du gesagt?“ fragt Hannes und beugtesich hinunter zu der geschundenen Gestalt. In diesem Moment griff Jakobeinen Stein und schlug Hannes damit an den Schädel. Ein dumpfesKlatschen füllte die Stille in der schmutzigen Gasse neben dem„Lachenden Wolf“ aus. Der alte Mann sackte zusammen und blieb im Dreckneben Jakob liegen.
Nach einiger Zeit fand Jakob die Kraft sich zuerheben. Sein Kopf schwirrte und er wurde blass als er die langsamgrößer werdende Blutlache erblickte, die sich um den Kopf des altenMannes gebildet hatte. Sein Blick wanderte zwischen dem eingeschlagenenSchädel und dem blutigen Stein in seiner Hand hin und her. „Bei Sigmar,was habe ich getan?“
Er ließ den Stein fallen und rannte los. Jakobwusste, wenn der Baron ihn erwischt, wird er ihn hängen lassen. Ermusste jetzt möglichst viel Weg zwischen sich und den Toten in derGasse bringen. Der Junge lief immer weiter, die Hügel hinter dem Dorfhinauf durch den Wald. Immer wieder stolperte er und viel der Längenach ins Unterholz.
Nach einer Weile erreichte er endlich dieSpitze. Jakob drehte sich noch einmal um, um einen letzten Blick aufsein Heimatdorf zu werfen. Wehmütig betrachtete er die kleine Siedlung,der er nun Rücken kehren musste und dachte an all die schönen Momente,die er dort unten erlebt hatte. Nie wieder würde er seine Mutter in dieArme schließen oder mit seinen Freunden zechen können. Diese Zeitenhatte er nun für immer hinter sich gelassen.
Ein Horn wurde geblasenund riss Jakob aus seinen traurigen Gedanken. Verwirrt suchte er nachdem Ursprung des Geräuschs, konnte aber nichts entdecken.

DasSignal wurde gegeben und Gorbatz und seine Hobgoblins setzten ihreWölfe in Bewegung. Sie preschten durch das Unterholz und aus dem Waldhinaus. Das schlafende Dorf lag direkt vor ihnen aus der Wiese. Dievier Einheiten Wolfsreiter flankierten einen Trupp Stierzentauren, dieAuserwählten des finsteren Gottes Hashut. Hinter ihnen marschiertengrimmige Truppen der Dawi Zharr, die Herren über die Düsterlande.
Diekleine Streitmacht wurde ausgeschickt um neue Sklaven für die ewighungrigen Schmieden und Bergwerke Zharr-Naggrunds zu fangen, wo sie einkurzes Leben voller Leid und Schmerz in den Diensten der Chaoszwergeverbringen würden.
Ein gigantischer Schatten glitt lautlos über dieKrieger hinweg, der Tyrann setzte zum Sturzflug auf Brockdorf an. Derriesige fliegende Stier des Tyrannen begann auf ein Zeichen seinesMeisters Feuer zu spucken, eine flammende Schneise zog sich durch dasDorf.
Alarmrufe erklangen, als die Bewohner brutal aus dem Schlafgerissen wurden. Halb bekleidete Männer traten ins Freie um sich einemunbekannten Feind zu stellen, in den Händen hielten sie, was sie aufihrem Weg aus dem Haus als Waffe greifen konnten.
Der Tyrann wendetein einem weiten Bogen und setzte zu einem weiteren Flug über das Dorfan. Erneut schob sich eine Feuerwalze durch den Ort und verbranntealles auf ihrem Weg. Fleisch wurde von Knochen geschmolzen und Häuserfielen in sich zusammen. Die Donnerbüchsenschützen der Dawi Zharrnutzten das herrschende Chaos um ihr Feuer auf dir verwirrten Menschenzu eröffnen. Die Getroffenen vielen tot oder schwer verwundet zu Boden.Die Stierzentauren brachen durch die Umzäunung des Dorfes und schlugenmit gewaltigen Streitäxten um sich und fällten jeden Einwohner, dersich ihnen in den Weg stellte.
Gorbatz hasste seine Aufgabe beidiesem Angriff, alle Wolfsreiter umkreisten das Dorf auf der Suche nachFlüchtlingen. Niemand sollte entkommen und die Truppen des Imperiumswarnen können. Er wollte an der Schlacht im Dorf teilnehmen, er wolltejemanden quälen und zu Tode foltern. Und er wollte plündern.
Dieunglaubliche Brutalität der Angreifer hatte den Willen derverängstigten Bewohner schnell gebrochen. Jetzt wurden die Überlebendenvon den Kriegern in der Mitte des noch immer brennenden Dorfesgetrieben und in eisernen Käfigwagen zusammengepfercht.
Derriesige Stier landete in der Nähe der Wagen, pures Entsetzen über denAnblick des Monsters zeichnete sich in den Gesichtern der Gefangenenab. Langsam glitt der Tyrann aus dem Sattel und näherte sich denMenschen. Er war zufrieden mit der Beute, ein guter Start für diebevorstehende Sklavenjagd.

Ungläubig starrte Jakob den Hügelhinunter auf das lodernde Dorf. Nie hatte er solche Grausamkeitgesehen, in weniger als zehn Minuten hatten die Angreifer die Hälfteder Bevölkerung Brakdorfs getötet, den Rest gefangen genommen und dasDorf dem Erdboden gleich gemacht. Er war im letzten Moment diesemAlptraum entkommen, Sigmar hatte sein Leben verschont. Das Leben einesMörders. Er musste das Imperium warnen, musste die Armee verständigen,musste sich von seinen Sünden rein waschen.
Jakob riss seinenBlick von der schrecklichen Szenerie los und rannte los. Er rannte soschnell ihn seine Füße trugen, bloß weg von diesen Monstern.